Pfarrei St. Petrus

Wörth a. d. Donau

Bericht aus der Donau-Post vom 23. Oktober 2012

HIV-Positive und Aids immer noch Tabuthemen

Äußerst interessanter Gesprächsabend mit dem KAB-Ortsverband im Wörther Pfarrheim

(kris/dopo) Die Regensburger Veranstalter Donum Vitae, das Frauen-Gesundheits-Zentrum, die Gleichstellungsstellen Stadt und Landkreis, pro familia und die Psychosoziale Aids-Beratungsstelle Oberpfalz führen in diesem Herbst landkreisweit unter dem Motto „Heute schon gel(i)ebt?“ verschiedene Aktionen zu Liebe, Sexualität und Partnerschaft durch. In dieser Reihe hatte der KAB-Ortsverband Wörth Martina Frommann von der Psychosozialen Aids-Beratungsstelle mit einer HIV-positiven Frau und Maria-Luise Rogowsky von der Gleichstellungsstelle des Landkreises Regensburg zu der Gesprächsrunde „Positive Begegnungen“ am Freitagabend im Pfarrheim eingeladen.

Nach der Begrüßung der Tischrunde erläuterte Martina Frommann das Thema HIV positiv und Aids, das in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema sei, weil HIV-infizierten Menschen ihre Erkrankung nicht ansehbar sei. HIV sei mittlerweile eine chronische Krankheit, weil sehr gute Medikamente auf dem Markt sind, die den infizierten Menschen eine nahezu normale Lebenserwartung ermöglichen. Von „Aids im Endstadium“ spreche man erst, wenn das zerstörte Immunsystem den Körper so weit geschwächt hat, dass keinerlei Abwehrkräfte mehr vorhanden sind.

Aufklärung ist wichtig

Da auch in der heutigen Zeit die Aufklärung die einzige Möglichkeit ist, sich vor Ansteckung zu schützen, ist die Psychosoziale Aidsberatungsstelle viel in Schulklassen ab der achten Jahrgangsstufe präsent – auch um darauf hinzuweisen, dass es HIV-Positive und Aids immer noch gibt, obwohl es ein Tabuthema ist, erfuhren die knapp 20 Teilnehmer dieser Gesprächsrunde.

Die Psychosoziale Aids-Beratungsstelle ist aber auch Anlaufstelle für Betroffene, die ihre Ängste und Fragen frei zum Ausdruck bringen können und mit Menschen zusammen kommen, die selber betroffen sind. In der Familie über das Thema zu reden, falle nicht leicht, weil Lebenspartner gefühlsmäßig damit konfrontiert sind.

Der Ausbruch dauert zwei bis drei Wochen

Der Ausbruch einer HIV-Infektion zeige sich zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung mit grippeähnlichen Symptomen. Um auf HIV untersuchen zu können, brauche ein Arzt die ausdrückliche Einwilligung eines Patienten. Jeder HIV-positive Mensch könne durch die Körperflüssigkeiten Blut, Sperma, Schleimhäute und Muttermilch andere Menschen anstecken. Eine Übertragung durch das Trinken aus einem Glas, auf der Toilette, in Sauna und Schwimmbad oder über Schweiß sei nicht möglich, teilte Martina Frommann mit. Blutspenden würden generell auf HIV getestet. Der Tatbestand einer vorsätzlichen Körperverletzung bestehe dann, wenn einer Person bewusst ist, dass sie HIV positiv ist und durch ungeschützten Geschlechtsverkehr andere ansteckt. In der Oberpfalz gebe es rund 600 Infizierte, jedes Jahr kommen etwa 25 neue Fälle dazu.

Blutspenden werden auf HIV hin untersucht

Im Gespräch erzählt die betroffene Frau, dass sie – damals 21 Jahre alt – bei einem Überfall auf das Geschäft, in dem sie arbeitete, von einer an Aids erkrankten Frau angegriffen worden war. Der Vorgesetzte verlangte einen Aids-Test, der bei ihr positiv ausfiel. Allerdings ist nicht bekannt, wodurch sie sich angesteckt hatte. Da ihr die Ärzte damals nur noch ein Jahr Lebenserwartung gaben, folgte laut den Worten der Betroffenen eine sehr intensive Lebensphase. „Ich habe immer in Abschnitten von ein bis zwei Jahren gelebt“, erinnerte sie sich und schilderte auch den Moment, wie sie im Labor erfahren hatte, dass sie infiziert worden sei.

Aber sie sei direkt zur Schauspielerin geworden und hatte sich auf dem Weg zur Arbeitsstelle schon überlegt, was sie ihren Kolleginnen sagen werde: „Natürlich war der Test negativ!“ Sie habe aber auch Schuldgefühle gehabt, weil sie die anderen Menschen immer wieder „angelogen“ habe. Josef Forster sah dies jedoch ganz anders. „Jeder Mensch hat ein Recht auf Intimsphäre und die Gesundheit ist ein sensibles Thema.“ Wenn man etwas nicht preisgibt, kann man auch nicht sagen, man habe gelogen.

Wie sie weiter berichtete, hatte sie lange Jahre Scheu, auf andere Menschen zuzugehen. Wenn an den wechselnden Arbeitsstellen bekannt wurde, dass sie HIV positiv ist, gab es Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten, aber Amtsärzte bescheinigten den Zustand „gesund und arbeitsfähig“.

Seit einigen Jahren in Rente

Erst seit wenigen Jahren ist die Frau in Rente und lebt mit einem festen Partner zusammen, der Kinder und damit Enkel mit in die Partnerschaft gebracht hat. Am Anfang war es allerdings schon problematisch. Bei angekündigten Besuchen musste sie vorher immer genau darauf achten, dass in der Wohnung ja nichts rumlag, was auf ihre Krankheit hätte hinweisen können.

Die Betroffene ist in der Oberpfalz die einzige, die in Zusammenarbeit mit der Aids-Beratungsstelle in Schulen und in der Öffentlichkeit auf dieses sensible Thema aufmerksam macht, weil Aufklärung enorm wichtig ist.

Knapp 20 Besucher hatten sich am Freitagabend zur Gesprächsrunde der KAB über Aids und HIV positiv im Pfarrheim eingefunden. Rechts Maria-Luise Rogowsky von der Gleichstellungsstelle des Landkreises. (Foto: Christl)

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